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OECD-Studie: Mängel bei der Qualifikation von Lehrkräften in Deutschland

Eine OECD-Studie weist auf Defizite in der Qualifikation von Lehrkräften in Deutschland hin, wobei Berichte über das Ausmaß der unzureichenden Qualifizierung zwischen den Quellen variieren. Zudem wird auf die negativen Auswirkungen von Unterrichtsausfällen auf den Lernprozess deutscher Schüler hingewiesen.

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Der Spiegel Authority 92

Der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher fordert ein Umdenken bei der Ausbildung und Arbeit von Lehrkräften. In Deutschland liege die Priorität zu sehr auf der Klassengröße und zu wenig auf anderen Faktoren, die für die Attraktivität des Berufs entscheidend seien, sagte Schleicher anlässlich der am Dienstag veröffentlichten neuen OECD-Studie »Bildung auf einen Blick 2026 «.

Die Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat als Schwerpunkt den Lehrkräftemangel, der viele Länder betrifft. Allerdings ist die Datenlage mitunter schlecht. Für Deutschland geht aus der Studie etwa nicht hervor, wie viele Lehrkräftestellen unbesetzt bleiben. Der Anteil in den meisten Ländern mit verfügbaren Daten lag unter drei Prozent.

Für den Lehrkräftemangel steht laut Studie aber noch eine andere Zahl: wie viele Lehrkräfte ohne vollständige Qualifizierung im Beruf arbeiten. Deutschland sticht in diesem Punkt hervor:

Der Anteil der nicht voll qualifizierten Lehrkräfte liegt in Deutschland bei 18,6 Prozent. Im OECD-Durchschnitt betrug er 2024/25 9,1 Prozent. Nicht voll qualifiziert zu sein bedeute aber nicht automatisch, nicht gut zu sein, stellte Schleicher klar. Der hohe Wert in Deutschland hängt der Studie zufolge auch mit der vergleichsweise langen Lehrkräfteausbildung zusammenhängen. Referendare werden als nicht vollständig qualifizierte Lehrkräfte mitgezählt.

Ebenfalls als hoch werden die Engpässe wahrgenommen, die sich in Deutschland durch vorübergehende Abwesenheiten wie Krankheit oder Elternzeit ergeben. Eine konkrete Statistik liegt auch hierzu nicht vor, die Studie behilft sich mit Angaben von Schulleitungen.

Demnach besuchen über 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland eine Schule, deren Leitung angibt, dass die Abwesenheit von Lehrkräften das Lernen beeinträchtigt. Dies ist der zweithöchste Wert im OECD-Raum und mehr als doppelt so hoch wie der OECD-Durchschnitt von 27 Prozent.

Auch bei den Arbeitszeiten und der Bezahlung von Lehrkräften sticht Deutschland hervor.

Laut einer Erhebung von 2023, auf die sich die Studie beruft, arbeiten Lehrkräfte im OECD-Durchschnitt 40,8 Wochenstunden. In Deutschland arbeiten Vollzeitlehrkräfte eigenen Angaben zufolge hingegen durchschnittlich 42,4 Wochenstunden.

Die Gehälter in Deutschland zählen zwar nach wie vor zu den höchsten im OECD-Raum, stagnierten jedoch seit 2015 beziehungsweise waren real rückläufig. Inflationsbereinigt sind die Gehälter der Studie zufolge für Lehrkräfte im Sekundarbereich I mit 15 Jahren Berufserfahrung in diesem Zeitraum um ein Prozent gesunken, während sie im OECD-Durchschnitt um sechs Prozent gestiegen sind.

Bildungsexperte Schleicher zufolge sind materielle Faktoren wie das in Deutschland vergleichsweise hohe Gehalt für die Bewertung der eigenen Arbeitssituation weniger ausschlaggebend. Wichtiger seien etwa die Qualität der Schulleitung oder das Arbeiten in Teams in geeigneten Räumen in der Schule.

Etwa die Hälfte der ausgebildeten Lehrkräfte arbeite in Deutschland später in anderen Bereichen als in der Schule, so Schleicher. Er warb dafür, weniger Lehramtsstudierende zuzulassen, diese aber besser auszubilden, sodass sie auch in dem Beruf einsteigen und bleiben wollen. Zudem müssten Arbeitsbedingungen besser werden, um die besten Arbeitskräfte anzuziehen.

Als Stellschraube nannte Schleicher etwa die Klassengröße: Wenn Klassen mit mehr Schülern besetzt seien, hätten Lehrkräfte mehr Zeit für andere Dinge als Unterrichtsstunden. Dazu gehörten etwa die Vor- und Nachbereitung, das Arbeiten mit Kollegen oder die Unterstützung und Beratung der Schüler. Derzeit würden Lehrkräfte in Deutschland zu viel ihrer Arbeitszeit allein im Klassenzimmer oder zu Hause sitzen, so Schleicher. Das sei auch ein Grund, warum der Beruf wenig beliebt sei.

In vielen anderen Ländern gehöre etwa die Beratung von Eltern und Schülern selbstverständlich zur Arbeitszeit, so Schleicher. In Deutschland machten das zwar auch viele Lehrkräfte, es passiere aber freiwillig.

Zudem müssten Lehrkräfte und Schulleitungen anders auf die Schulen verteilt werden, so Schleicher: »Wir brauchen die besten Lehrkräfte in den schwierigsten Klassen und die besten Schulleitungen in den Problemschulen.«

Warum wir einen Exodus deutscher Lehrkräfte erleben, lesen Sie hier .

↗ Read the original at Der Spiegel

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92 Der Spiegel ★ most authoritative citation

OECD-Studie: Fast jede fünfte Lehrkraft in Deutschland ist unvollständig qualifiziert

Über die Hälfte der deutschen Schüler besucht eine Schule, an der Lehrerausfälle das Lernen beeinträchtigen. OECD-Experte Schleicher erklärt, was den Lehrerberuf in Deutschland unattraktiv macht.

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91 Die Zeit

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