Präsidentschaftswahl in Brasilien: Lula und Flávio Bolsonaro ziehen in die Stichwahl
Nach der ersten Wahlrunde haben weder der amtierende Präsident Luiz Inácio Lula da Silva noch Flávio Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten, die absolute Mehrheit erreicht, sodass eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten beschlossen wurde.
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Die Präsidentenwahl in Brasilien wird sich in einer Stichwahl zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro entscheiden. Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen kam Lula laut vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 44,6 Prozent, sein rechter Rivale auf 47,4 Prozent – beide verfehlten damit die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit.
Damit entscheidet sich am 25. Oktober, ob der 80-jährige Lula eine vierte Amtszeit antritt oder der 45-jährige Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro die Regierung übernimmt. Rund 159 Millionen Brasilianer waren zur Wahl aufgerufen.
»Ich gebe zu, dass ich überzeugt war, in der ersten Runde zu gewinnen«, sagte Lula in São Paulo kurz nach der Auszählung fast aller Stimmen. »Das Spiel fängt gerade erst an. Wir befinden uns in der Verlängerung. In der Verlängerung werden wir das brasilianische Volk für uns gewinnen«, versicherte er.
Bolsonaro zeigte sich hingegen »sehr zufrieden«, nach der Auszählung fast aller Stimmen vor Lula zu liegen. »Ich bin (...) sehr glücklich über die Aussicht, dass Brasilien in drei Wochen eine endgültige Entscheidung treffen kann«, sagte er in der Hauptstadt Brasília.
Lula von der Arbeiterpartei PT steht für die Fortsetzung seiner seit 2023 betriebenen Politik mit Sozialprogrammen, öffentlichen Investitionen und einer stärkeren Rolle des Staates. Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei PL verspricht dagegen einen schlankeren Staat, Ausgabenkürzungen und eine härtere Linie gegen Kriminalität. Der Wahlkampf ist von einer starken Polarisierung geprägt.
Lula regierte Brasilien bereits von 2003 bis 2011. Seine Bilanz der laufenden Amtszeit ist gemischt: Die Arbeitslosigkeit sank, der Mindestlohn wurde angehoben und die Abholzung im Amazonasgebiet ging zurück. Zugleich belasten steigende Lebenshaltungskosten, hohe Staatsausgaben und Schulden sowie Korruptionsaffären die Regierung.
Vor vier Jahren standen sich Lula und Jair Bolsonaro gegenüber, der wegen seiner Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt wurde. Nun möchte sein Sohn das politische Erbe seines Vaters fortführen. Eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen ist eine Amnestie für seinen Vater.
Andere Mitglieder der Bolsonaro-Familie konnten bereits Wahlerfolge verbuchen: Die frühere First Lady Michelle Bolsonaro wurde im Bundesdistrikt Brasília in den Senat gewählt. Carlos Bolsonaro, ein weiterer Sohn des früheren Präsidenten, gewann ebenfalls einen Senatssitz – im südlichen Bundesstaat Santa Catarina.
Kriminalität gehört zu den größten Sorgen vieler Brasilianerinnen und Brasilianer. Drogenbanden kontrollieren in Teilen des Landes Gebiete und sind in Drogenhandel und weitere illegale Geschäfte verwickelt. Auch Gewalt gegen Frauen bleibt ein großes Problem.
Flávio Bolsonaro setzt auf einen besonders harten Kurs. Im Wahlkampf kündigte er rund eine halbe Million zusätzliche Haftplätze und Hochsicherheitsgefängnisse nach dem Vorbild in El Salvador an. Zudem will er kriminelle Organisationen stärker bekämpfen. Lula setzt stärker auf die Bekämpfung der finanziellen Strukturen organisierter Kriminalität.
Auch die Außenpolitik war Teil des Wahlkampfs. US-Präsident Donald Trump hatte Jair Bolsonaro politisch unterstützt und die strafrechtliche Verfolgung des früheren Staatschefs kritisiert. Flávio Bolsonaro näherte sich im Wahlkampf dem politischen Lager Trumps an und traf ihn bereits im Weißen Haus in Washington. Lula setzt dagegen stärker auf die Verteidigung der brasilianischen Souveränität und versucht, trotz Konflikten mit Washington die Beziehungen zu den USA zu stabilisieren.
Brasilien ist als größte Volkswirtschaft und bevölkerungsreichstes Land Lateinamerikas ein wichtiger politischer Akteur der Region – ein Sieg Lulas würde das Land als politischen Gegenpol zu dem regionalen Rechtsruck erhalten. Unter Flávio Bolsonaro würde sich Brasilien stärker an Washington und konservativen Regierungen der Region orientieren, was auch Trumps Einfluss in Lateinamerika deutlich ausweiten würde.
Unabhängig vom Ausgang der Stichwahl wird die künftige Regierung auf Mehrheiten im Kongress angewiesen sein. Gleichzeitig mit dem Präsidenten wurden am Sonntag unter anderem auch Abgeordnete und Senatoren gewählt.
Flávio, der älteste Sohn des rechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, hat gute Chancen, Präsident Lula aus dem Amt zu vertreiben. Korruptionsskandale und seine Verbindungen in die Unterwelt perlen an ihm ab. Mehr hier .
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Der 80-jährige Amtsinhaber oder der Spross des hart rechten Ex-Präsidenten – wer regiert künftig in Brasilien? Vorerst kann sich weder Luiz Inácio Lula da Silva noch Flávio Bolsonaro durchsetzen. Die Entscheidung fällt in drei Wochen.
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